Michael Schierack: „Die Gesundheitspolitik im Land ist unterdurchschnittlich“

Prof. Dr. Michael Schierack im Interview

Landesvorsitzender der CDU Brandenburg, Prof. Dr. Michael Schierack MdL
Landesvorsitzender der CDU Brandenburg, Prof. Dr. Michael Schierack MdL

Mit Prof. Dr. Michael Schierack wurde am 17. November ein langjähriges Mitglied der Kammerversammlung der LÄKB zum Landesvorsitzenden der CDU Brandenburg gewählt. Mit dem Brandenburgische Ärzteblatt sprach er über volle Terminkalender, das Verhältnis zwischen Ärzten und Politik und seine Ideen für Brandenburg.

Herr Prof. Dr. Schierack, sie haben einen „Neuaufbruch“ der CDU in Brandenburg angekündigt. Wie stellen Sie sich den vor?

Der Neuaufbruch hat für mich zwei Dimensionen – er richtet sich sowohl nach innen wie auch nach außen. Zwei Schlagwörter beschreiben diesen Kurs: Kommunikation im Dialog und Respekt vor dem Menschen. Das Ziel ist eine stabile Union in Brandenburg, die als eine echte Alternative zu Rot-Rot wahrgenommen wird. Ich bin an einer guten Zusammenarbeit in der Opposition interessiert. Mit den Themen der Koalitionsfraktionen von SPD und Linke werden wir uns kritisch auseinandersetzen. Wir werden in der Sache klar, aber fair und menschlich Kante zeigen.

CDU-Landesvorsitzender, Gemeinschaftspraxis in Cottbus, Lehrauftrag an der Hochschule Lausitz – Sie müssen einen sehr vollen Terminkalender haben. Wie lassen sich diese Aufgaben miteinander vereinbaren?

Für mich ist das in erster Linie eine Frage von guter Organisation und Abstimmung mit meinem Team. Meine Tätigkeit als Arzt habe ich einschränkt, aber nicht aufgegeben. Da fühle ich mich meinen Patienten verpflichtet.

Sie sind außerdem Delegierter der Kammerversammlung. Was bedeutet das neue Amt für Ihr Engagement in der Landesärztekammer?

Für mich ist das eine gute Verbindung von Politik und ärztlicher Selbstverwaltung. Ich werde mich weiterhin mit viel Engagement in der Landesärztekammer einbringen. Die Kammer ist ein guter Ort für mich, um einen wichtigen Input zu bekommen, aber auch politische Entscheidungen und Prozesse erklären zu können.

Ein Arzt an der CDU-Spitze, das weckt Erwartungen. Was möchten Sie für die Ärztinnen und Ärzte im Land Brandenburg erreichen?

Ich werbe für mehr Verständnis für diesen wichtigen Berufsstand. Mein Eindruck ist, dass nicht gerechtfertigte Vorbehalte bei politischen Entscheidungsträgern gegenüber Ärzten momentan aufblühen.

Daneben habe ich die demografische Entwicklung im Blick. Während im Kern Brandenburgs rund um Berlin immer mehr Menschen leben, verlieren die Randregionen ihre Einwohner. Das hat auch massive Auswirkungen auf die medizinische Versorgung. Um das besser auszutarieren, müssen wir auf dem Land verschiedenste Akzente setzen. Wichtig ist für mich auch die Sicherheit in Brandenburg. Und natürlich bleiben die Themen Bildung und Hochschulen ganz oben auf der Prioritätenliste. Noch nie gab es im Land bei diesen Themen so viele Bürgerinitiativen, Proteste und Demonstrationen gegen diese Landesregierung.

Wie beurteilen Sie die rot-rote Gesundheitspolitik in Brandenburg? Welche gesundheitspolitischen Akzente möchten Sie setzen?

Die Gesundheitspolitik im Land ist unterdurchschnittlich. Die Trennung des Gesundheitsressorts von Soziales und Pflege und die Eingliederung in das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz hat sich nicht bewährt. Dadurch werden gesundheits- politische Themen nicht stark genug berücksichtigt. Eine Landesregierung muss meines Erachtens die gesundheitlichen Strukturen vor Ort besser berücksichtigen – sei es bei den ärztlichen Praxen oder Krankenhäusern. Dazu gehört für mich auch die Unterstützung von jungen Medizinern durch Stipendien als ein Anreiz, in Brandenburg zu bleiben.

Seit knapp einem Jahr ist das Versorgungsstrukturgesetz in Kraft, das mehr Ärzte in strukturschwache Regionen locken soll. Wie beurteilen Sie die bisherige Entwicklung? Und was muss Ihrer Meinung nach noch passieren?

Das Versorgungsstrukturgesetz von Schwarz-Gelb ist ein erster wesentlicher Meilenstein für eine verbesserte medizinische Versorgung unserer Dörfer und Städte. Allerdings fehlen noch klare Strukturvorgaben und finanzielle Rahmenbedingungen. Darüber hinaus müssen Landesregierung und Kommunen jetzt auch ihre Hausaufgaben machen. Nur wenn alle Akteure an einem Strang ziehen, kann die medizinische Versorgung auf dem Land in guter Qualität gesichert werden.

Brandenburg ist neben Bremen das einzige Bundesland ohne medizinische Fakultät. Jetzt gehen gleich zwei private Initiativen an den Start. Wie stehen Sie dazu?

Die Landesregierung muss sich mehr als bisher für die Ausbildung von jungen Medizinern einsetzen. Ich begrüße das Engagement der privaten Initiativen, die bisher aber noch zu wenig vom Land unterstützt werden. Gleichzeitig ist aber auch eine engere Kooperation mit Berlin in dieser Frage zwingend erforderlich.

Die Fragen stellte Mark Berger, LÄKB

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